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Kurzbezeichnung für frz. »art décorative« (Dekorative Kunst) und Abkürzung für die erste internationale Ausstellung von Objekten des neuen Kunstgewerbes: der »Exposition des Arts Décoratifs et Industriels Modernes« in Paris (1925).
Art Decó war ein schöpferischer, internationaler Modestil, der alle Bereiche des Lebens erfaßte: Kunst und Kunsthandwerk, Film und Technik, Werbung und Mode.
Es war die Zeit zwischen den zwei Weltkriegen mit Depression, Börsenkrach, Inflation, wirtschaftlicher Not und heraufziehendem Faschismus, aber auch die unruhigste, wildeste und aufregendste Epoche in der Kunstgeschichte dieses Jahrhunderts.
Nach dem eher überladen wirkenden französischen oder belgischen Jugendstil, mit den floralen, geschwungenen Stilelementen, war Art Déco mit einem geometrischen, linearen und funktionalen Stil der Geist der Moderne, der das Neue suchte und somit ganz in der Tradition der Wiener Werkstaette, die mit Josef Hoffmann als Wegbereiter bereits vieles vorweg genommen hatte.
Sofern er sich von der Natur inspirieren ließ, zog er Tier- oder Frauenkörper vor.
Angesichts einer sich überstürzenden Industrialisierung begann die Frage nach der Bewahrung der jahrhundertealten handwerklichen Kunst.
Einer der bedeutendsten Vertreter der Handwerkskunst im Möbelbau war Èmile Jaques Ruhlmann.
Durch die Einführung neuer Werkstoffe, wie Plastik, Bakelit und Chrom, entstand zwangsläufig die Suche nach einem neuen Stil, der sich für die Massenproduktion eignete. Luxuriöse Entwürfe aus teuren und seltenen Materialien, die in qualitätsbewußter Handarbeit entstanden, kopierte man später und brachte sie in preiswerten Versionen massenhaft auf den Markt, wodurch Art Déco schließlich weltweit zu einem Stilbegriff wurde.
Die Erkenntnis, daß gutes Design den Umsatz steigerte, gab der Industrie einen gewaltigen Aufschwung. Die Möbelentwürfe jener Zeit zeigen ein vielfältiges Spektrum an Formen und Ideen mit den neuen Materialien, wie beispielsweise Stahlrohr Marcel Breuer konstruierte den ersten Stahlrohrstuhl und gebogenes Schichtholzmöbel gab es von A. Aalto.
Klubsessel kamen stark in Mode, Lack und Leder finden sich in Dekorationen und Bezügen.
Das Textildesign war ein weiteres Gebiet, in dem Künstler, wie z.B. Pablo Picasso, Henri Matisse, Georges Rouault, Georges Braque oder Raoul Dufy eine wichtige Rolle spielten. Sie schufen Entwürfe für Bildteppiche, Dekorations- und Möbelbezugstoffe.
Auch die Bedeutung von Glas spielt in der gesamten Art-Déco-Epoche eine wichtige Rolle. Architekten wie Mies van der Rohe, Walter Gropius und Le Corbusier verwendeten Glas zum erstenmal als Blendwände. Auch Frank Lloyd Wright hat seine Vorliebe für abstrakt gemustertes Glas künstlerisch in der Architektur umgesetzt.
Der Glaskünstler René Lalique gehört zu den ältesten Verfechtern des Art-Déco-Stils, der in den 20er Jahren damit begann, Möbel aus Glas herzustellen.
In höchster Perfektion schöpften Großprojekte, wie z.B. elegante Ozeanriesen, die New Yorker Radio City Music Hall oder der Ballraum im Londoner Park-Lane-Hotel den Art Déco-Stil in all seinen Möglichkeiten aus. Neben der ungeheuren künstlerischen Vielfalt wurde diese Zeit auch von völlig neuen Begrifflichkeiten geprägt: z.B Geschwindigkeit, Massenproduktion, Werbung und Fotografie.
Ab 1915 wurde Dagobert Peche Mitarbeiter der Wiener Werkstätte, wo er ab 1917 zum Leiter der Zürcher Filiale avancierte. Seine Vorliebe für das Kürzelhafte, läßt ihn körperlose Wesen, Köpfe von Blättern umsponnen, von Schleiern verhüllt zeigen, Stickereien und Zeichnungen reihen sich zu Mustern aneinander.
Seine bizarre Phantasie beseelt gleichermaßen die Gegenstände, die er für Gebrauch und Luxus der Dame erfindet.
In einer kriegsüberschatteten Zeit hat Peche mit seinen fröhlichen aber auch verschwenderischen Entwürfen richtungsweisend die Flächenkunst der Wiener Werkstätte beeinflußt und gilt daher als Vorläufer der heute nur ungenau mit Art Deco bezeichneten Stilrichtung.
© Copyright Wolfgang Karolinsky - Sat, 22. Nov 2008