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Für den Begriff Jugendstil gibt es verschiedene Erklärungen, was dessen Herkunft betrifft:
Im Jahr 1896 erschien in München erstmals die Zeitschrift „Die Jugend“, in der avantgardistische Künstler und Schriftsteller ihre Werke veröffentlichen konnten. Die Zeitschrift erfreute sich großer Beliebtheit und gab später der Kunstrichtung jener Jahre den Namen „Jugendstil“.
Ebenfalls im Jahre 1896 wurde vom Händler Siegfried Bing in Paris ein Geschäft "Maison de l'Art Nouveau gegründet, dessen Name ebenfalls als Ursprung für die Bezeichung dieser Stilrichtung in der bildenden Kunst genannt wird. Wobei der Begriff Art Nouveau (Neue Kunst) vielleicht deutlicher als der Terminus Jugendstil die Aufbruchstimmung dieser Epoche vermittelt.
Tatsache ist, dass wie bei vielen anderen Kunststilen, die Wurzeln des Jugendstils vielfältig sind.
Grundsätzlich läßt sich sagen, daß in der rasanten Industrialisierung der gesellschaftliche Hintergrund zu sehen ist. Das traditionelle Handwerk verlor seine starke Stellung und mußte der billigeren und massenhaften Fertigung der modernen Industriestätten weichen.
Schon früh hatte es dazu Gegenbewegungen gegeben, vor allem in England, dem Ursprungsland der industriellen Revolution. William Morris (1834-1896) und seine Bewegung Arts and Crafts (Kunst und Handwerk) werden dabei als wichtigste Vorläufer des Jugendstils angesehen. Die von Morris begründeten Werkstätten sollten in Konkurrenz zur zerstückelten Industrieproduktion hochwertiges Kunsthandwerk am Leben erhalten. Baukunst, Malerei, Plastik etc. sollten zu einem Gesamtkunstwerk verschmelzen und damit gleichzeitig eine neue Kultur hervorbringen.
In der Folge dieser Bewegung entstanden vielerorts Kunstgewerbeschulen, bzw. haben sich schon bestehende, wie die Wiener Kunstgewerbeschule (seit 1867), dem neuen Geiste angeschlossen. Neue Materialien wie Stahl, Eisen und Glas hatten in der Architektur im Laufe des 19. Jh. rasch Verbreitung gefunden. Durch die Verwendung von diesen Materialien ergaben sich neue Ausdrucksmöglichkeiten in Form und Farbe.
Historisierenden Stile wie Neogotik oder Neobarock entsprachen immer weniger dem Zeitgeist vieler Künstler, die nach einer neuen, eigenständigen Ausdrucksform suchten.
Rasch bildeten sich unterschiedliche Strömungen und Richtungen heraus und unterschiedliche Schwerpunkte wurden gesetzt.
Fast durchgängig ist der Versuch zu beobachten, die Natur, die in den wuchernden städtischen Ballungszentren zu verloren gehen drohte, in Kunst und Alltag zurückzubringen. Zahllose Pflanzenmotive dominieren die ornamentale Gestaltung, hinzu kommt die Darstellung vieler Tiere. Die 'Natur als Vorbild' drückt sich auch in der Formensprache aus: Geschwungene, fließende Linien wie bei vielen Pflanzen stehen im Vordergrund. Die kunstvoll verflochtenen Ranken und Blüten im Werk des tschechischen Künstlers Alfons Mucha (1860-1939) stehen dafür.
Stilelemente dieser floralen Ausprägung finden sich auch im Bereich der Architektur. Der spanische Architekt Antonio Gaudi (1852-1926), entwarf einfallsreiche vielgestaltige Bauten - hauptsächlich in Barcelona - die fast den Eindruck eines lebenden Organismus erwecken, losgelöst von ihrer steinernen Hülle.
Ein weiteres wesentliches Merkmal war der Versuch, Kunst und Alltag sozusagen zu versöhnen, Kunst im Alltag erlebbar zu machen. Der Begriff der Schönheit wird zentral im Schaffen des Jugendstils.
Die Art Nouveau-Eingänge der Pariser Metro von Hector Guimard können ebenso unter diesem Blickwinkel betrachtet werden wie die Beispiele der 'Schule von Nancy', wo Künstler wie Emile Galle (1846-1904) komplette Häuser und Wohnungen bis ins Detail künstlerisch ausgestalteten. Ähnliches versuchte Jan Kotera in Prag am Wenzelsplatz mit dem Peterka-Haus, dessen Details er bis hin zu den Türschildern plante.
Häufig anzutreffen ist die Verwendung symbolischer Gestalten. Die Spannbreite reicht von der Verwendung symbolträchtiger Tiere wie Adler und Eule bis zur Darstellung historischer Gestalten, die für bestimmte Tugenden oder Ziele stehen.
Das Moment von Verklärung und Mystik ist aus dem Jugendstil nicht wegzudenken. So sind die dargestellten Frauen von fast engelhaftem, überirdischem Wesen, häufig auf ein sinnliches Dasein reduziert. Die junge, verführerische Frau wird zu einem Hauptmotiv, der Traum der fast durchweg männlichen Künstler bestimmt die Darstellung.
Jugendstil umfasste fast alle Kunstgattungen: von der Architektur über Malerei, Plastik und Glaskunst bis hin zu Literatur und Buchkunst. Auf allen diesen Gebieten wurde Großartiges geleistet, nur einige der bekannteren Namen sollen genannt werden: Der Maler Gustav Klimt, bei dessen Bildern Ornament und Figuren ineinander übergehen; der Österreicher Josef Maria Olbrich (1867-1908), der zu den Begründern der Wiener Secession zählte und der wichtige Bauten (Ausstellungshaus der Secessionisten) hinterlassen hat; die oben erwähnten Antonio Gaudi und Emile Galle; die Belgier Henry van de Velde und Victor Horta u.v.a.m.
Vor der Jahrhundertwende 1900 hat es in Wien bei den Künstlern der Secession durchaus noch Übereinstimmung mit den Künstlerkollegen in Frankreich, Belgien, Tschechien oder England gegeben.
Beginnend mit der 14. Ausstellung der Secession (1902) jedoch, machte sich die fast radikale Eigenständigkeit der Wiener bemerkbar.
Das Supraportenrelief aus dem gleichen Jahr, ein Gipsschnitt von Josef Hoffmann beim Abgang zum rechten Seitensaal der Secession, markiert die Abspaltung zur Eigenständigkeit der Wiener Künstler besonders eindrucksvoll.
Josef Hoffmanns eigene Erklärung für seine Verwendung von Kreisen und Quadraten war, dass diese Formen vorher niemals in der darstellenden und angewandten Kunst Verwendung fanden.
Wenn man bedenkt, daß der Begriff "Kubismus" erst etwa 1907 als von Picasso entwickeltes Darstellungsverfahren in die Kunstgeschichte Eingang gefunden hat, kann man die Bedeutung von Josef Hoffmanns 1902 gesetzten Schritt in die Abstraktion ermessen.
Die Entwürfe von Leuchten respektive Lampen des Josef Hoffmann, Adolf Loos, Kolo Moser, Künstlern der Wiener Werkstaette und vielen anderen Künstlern der Jugendstilzeit werden von WOKA LAMPS VIENNA als Lizenznehmer der Josef Hoffmann Stiftung in Wien in Handarbeit hergestellt.
© Copyright Wolfgang Karolinsky - Tue, 7. Oct 2008